Finnisches Getreide ist für sein hohes Eigengewicht bekannt. Beispielsweise ist Weizen aus Finnland typischerweise mindestens 1-2 kg/hl schwerer als der aus anderen Ländern. Dies liegt zum Teil an den Wachstumsbedingungen, aber auch am speziellen Trocknungsverfahren und der sorgfältigen Vorreinigung. Diese Verfahren finden auf nahezu 100 % des in Finnland gedroschenen Getreides Anwendung.

Getreidequalität im EU-weiten Vergleich

Die EU-Kommission erfasst Getreidequalitätsdaten der Mitgliedsstaaten, doch die Teilnahme an der Datenerhebung ist freiwillig. Die vorliegenden Statistiken stammen aus den Jahren 2015 und 2017. Die mitteleuropäische Ernte war 2017 von recht guter Qualität. Österreich, Kroatien und die Slowakei konnten die besten Fallzahlen vorweisen. Das hohe Gewicht des finnischen Getreides kommt in den Vergleichszahlen für Weizen und Gerste zum Ausdruck (ausgenommen das Hektolitergewicht der Gerste 2017).

Qualitätseigenschaften von Weizen in ausgewählten EU-Ländern 2015 und 2017

2015 2017
 

Eiweißgehalt (%)

 

Fallzahl

 

Feuchtigkeitsgehalt (%)

 

Hektolitergewicht (kg/hl)

 

Eiweißgehalt (%)

 

Fallzahl

 

Feuchtigkeitsgehalt (%)

 

Hektolitergewicht (kg/hl)

Österreich 13,8 356 .. 82,9 14,5 371 .. ..
Tschechien 12,5 350 12,8 82,2 .. .. .. ..
Finnland 11,5 256 12,6 81,5 12,5 183 12,7 80
Kroatien 10,13 320 11,61 81,15 11,8 356 12,2 80,4
Slowakei 12,3 333 12,2 81 13,3 362 12,4 77,7
Italien 12,5 .. 12,17 80,12 .. .. .. ..
Deutschland 12,6 350 13,1 79,7 13,2 285 13,7 74,9
Frankreich 11 311 12,8 79,6 12,3 272 11,4 73,8
Bulgarien 11,4 299,7 11,6 79,6 12,1 345,2 11,5 76,6
Polen 11,08 279 13,5 78,96 11-14 140-290 14,5-17,5 69-78
Großbritannien 11,95 293 14,55 78,81 .. .. .. ..
Spanien 11,8 383 9,5 76,7 .. .. .. ..
Belgien 10,5-11 .. 14,5 76 .. .. .. ..
Irland 9,5 285 19,5 74,1 .. .. .. ..
Niederlande 10,5-11 .. 14 74 12,2 305 15,2 78,5
Litauen 12,3 292,9 13,8 .. .. .. .. ..

Quelle: Unveröffentlichte Materialien der Europäischen Kommission

Der Feuchtigkeitsgehalt ist ein Kostenfaktor, da feuchteres Getreide vor der Lagerung und dem Verkauf aufwendigere Trocknung erfordert. In Finnland ist der Trocknungsbedarf typischerweise deutlich höher als in den südlicheren Ländern Europas; die Schwankungen zwischen den Jahren sind jedoch erheblich. Die Angaben der obigen Tabelle beziehen sich wurden nach der Trocknung ermittelt und sagen daher nichts über die tatsächliche Dreschfeuchtigkeit und die diesbezüglichen regionalen Unterschiede aus. Je nördlicher das Anbaugebiet und je später die Ernte, desto höher der durchschnittliche Feuchtigkeitsgehalt des Getreides.

Qualitätseigenschaften von Gerste in ausgewählten EU-Ländern 2015 und 2017

2015 2017
Feuchtigkeitsgehalt (%) Hektolitergewicht (kg/hl) Feuchtigkeitsgehalt (%) Hektolitergewicht (kg/hl)
Frankreich 12,1 69,3 12,6 67,3
Slowakei 13,6 68,3 12,6 68,5
Finnland 13,4 67,2 13,5 65,8
Kroatien 13,4 66,89 12,6 67,8
Großbritannien 15,39 66,5 .. ..
Belgien 14 65 .. ..
Irland 18,3 65 .. ..
Bulgarien 12,6 64,5 11,6 72,5
Polen 13,21 64,36 13,5-16 60-67
Spanien 9,7 63,9 .. ..
Tschechien 11,8 .. .. ..
Litauen 13,8 .. .. ..
Niederlande .. .. 14,6 63,5

Quelle: Unveröffentlichte Materialien der Europäischen Kommission

Qualität der finnischen Ernte

Einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Getreidequalität in Finnland ist das Wetter. Die witterungsbedingten Schwankungen zwischen guten und schlechten Jahren sind oft deutlich größer als in Mitteleuropa.

Der Sommerweizen des Jahres 2018 wies mit durchschnittlich 15,6 % einen besonders hohen Eiweißgehalt auf. Es handelte sich um das erste Mal seit 1992, dass dieser Wert über 15 Prozent lag. Mehr als 97 % aller untersuchten Proben hatten einen Eiweißgehalt von mehr als 12,5 % – im letzten Jahr traf dies nur auf etwa die Hälfte zu. Von insgesamt 471 000 t Sommerweizen hatten 397 000 t (84 %) ein Hektolitergewicht von mindestens 78 kg, eine Fallzahl von 180 Sekunden und einen Eiweißgehalt von 12,5 %.

Die wichtigsten technischen Qualitätsfaktoren für Finnlands Hauptexportgetreide Hafer sind Hektolitergewicht und Korngröße, d.h. der Anteil kleiner Körner. Als Gewichtsgrenzwert für Hafer werden 54-58 kg/hl angesehen. Der für den Export bestimmte Qualitätshafer hat ein Hektolitergewicht von 56 oder 58 kg. In anderen europäischen Ländern wird Hafer schon ab 54 kg/hl für die Schrotproduktion akzeptiert;  in Finnland ist dies der Grenzwert für Viehfutter. Leider liegen für die Haferqualität keine internationalen Vergleichsdaten vor.

Die Trockenheit der Wachstumsperiode 2018 schwächte besonders die Qualität des Hafers, dessen durchschnittliches Hektolitergewicht mit nur 52,5 kg um rund 4 kg unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre lag. Es waren auch deutlich mehr kleine Körner dabei als in den letzten Jahren. Der Anteil der Haferernte, dessen Hektolitergewicht den Qualitätsgrenzwert von 52 kg überschritt, war mit nur 65 % (536 000 t) der geringste im bisherigen Beobachtungszeitraum von 14 Jahren.

DON-Schimmelpilzgifte traten in deutlich geringerem Umfang auf als in den beiden vorausgehenden Jahren. Von den bislang im Schnellverfahren untersuchten Proben überstiegen nur 2 % den von der EU für Lebensmittelhafer festgelegten DON-Grenzwert von 1750 µg/kg. Der durchschnittliche Eiweißgehalt des Hafers lag mit 13,9 % um mehr als zwei Prozent über dem Vorjahreswert.

Qualitätsnormgerechter Hafer in Finnland, Menge und Anteil an der Gesamthaferernte

Gesamternte Hektolitergewicht über 52 kg Hektolitergewicht über 58 kg
(1000 t)
Ernte (1000 t) Qualität % Ernte (1000 t) Qualität %
2005 1073,3 969,6 90 159,1 15
2006 1028,8 955,6 93 329,4 32
2007 1222,0 1136,5 93 378,8 31
2008 1213,4 1130,9 93 481,7 40
2009 1114,7 996,5 89 303,2 27
2010 809,7 576,5 71 25,1 3
2011 1043,1 943 90 233,7 22
2012 1073,1 1057 99 679,3 63
2013 1196,8 1103,5 92 381,8 32
2014 1039,0 904,6 87 175,4 17
2015 979,6 962,1 98 433,5 44
2016 1035,1 953,7 92 400,3 39
2017 1013,9 981,8 97 473,0 47
2018e 818,8 536,0 65 14,5 2

Quelle: Finnischen Institut für natürliche Ressourcen (Luke)

Die Ergebnisse der Sicherheitskontrollen 2000-2017 der Getreideanbau-Kooperationsgruppe VYR zeigen, dass Frühjahrsgetreidesorten insgesamt anfälliger für Fusarium-Pilzbefall sowie für die Bildung von Toxinen sind. Beim Herbstgetreide war der Mykotoxingehalt in diesem gesamten Zeitraum niedrig und blieb größtenteils unter dem Lebensmittelgrenzwert. Unter den finnischen Getreidesorten ist Hafer mit Abstand am anfälligsten für Fusarium-Befall und Toxinbildung. Auch beim Frühlingsweizen und bei der Futtergerste wurden Grenzwertüberschreitungen festgestellt. Die Malzgerste wies nur geringfügige DON-Anteile auf, doch es gab Anzeichen für einen Anstieg des T-2+HT-2-Toxingehalts.

In Finnland haben Verbrauch und Produktveredelung von Lebensmittelhafer stark zugenommen. Die Speisenutzung stieg 2016 von 84 000 auf 90 000 t. Erfreulich ist auch das Ergebnis der 2016 vom finnischen Haferanbauverband durchgeführten Umfrage, in der 21 % der 13- bis 16-Jährigen angaben, mehr Hafer- und Beerenprodukte als Zwischenmahlzeiten zu konsumieren als im Vorjahr. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Hafer lag 2016 in Finnland bei mehr als sechs Kilo  und der Trend ist weiterhin steigend.

 

Datenbanktabelle


Qualität der finnischen Getreideernte 2005-2018

Fußnoten


[1] Viljasadon laatu 2018, Elintarviketurvallisuusvirasto, Link (Getreidequalitätsbericht der Lebensmittelsicherheitsbehörde, in finnischer Sprache)

Oberes Bild: Csaba Jansik

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