Aufgrund begrenzter Produktionsvolumina und hoher Erzeugungskosten ist der Markt für preisgünstige Massenlebensmittel aus finnischer Sicht kein lohnendes Wettbewerbsfeld. Stattdessen setzt Finnland in erster Linie auf Delikatessen der gehobenen Preisklasse. Die hohe Qualität der finnischen Lebensmittel ist das Ergebnis zahlreicher Faktoren, deren wichtigste wir auf dieser Lebensmittelfakten-Website zusammengestellt haben.

Saubere Böden und Gewässer

Die Sauberkeit von Ackerboden und Wasser ist eine Grundvoraussetzung für die Reinheit der produzierten Nahrungsmittel. Die Qualität der Äcker hängt sowohl von der geochemischen Zusammensetzung des Bodens als auch von beigegebenen Stoffen wie Gülle, Kunstdünger und Pflanzenschutzmitteln ab. Die finnischen Schwermetallgrenzwerte für Düngemittel zählen zu den strengsten in ganz Europa und der in Finnland zu Düngezwecken verwendete Klärschlamm hat den niedrigsten Schwermetallanteil. Auch die Menge der eingesetzten Pflanzenschutzmittel pro Hektar zählt zu den geringsten in Europa.

In Bezug auf Wasser ist Reinheit ein vielschichtiger Begriff. Das finnische Nutzwasser ist ausgesprochen sauber, aber die Qualitätsunterschiede innerhalb der EU sind in dieser Hinsicht geringfügig. Dass Finnland in den Statistiken für die Badewasserqualität seiner Strände europaweit nur im Mittelfeld liegt, ist darauf zurückzuführen,  dass in der Gesamtrechnung keine Trennung zwischen den qualitativ einwandfreien Stränden der Binnenseen und der unter Verschmutzungsproblemen leidenden Ostsee durchgeführt wird. Dagegen zeichnet sich Finnland im europäischen Vergleich durch das Grundwasser mit dem niedrigsten Nitratgehalt aus – ein wichtiger Faktor nicht zuletzt für die menschliche Gesundheit.

Neben der Qualität des Wassers spielt angesichts des fortschreitenden Klimawandels auch dessen Verfügbarkeit eine immer größere Rolle. Wasserknappheit ist bereits in vielen Weltregionen ein Problem für die Landwirtschaft. Finnland und die übrigen nordischen Länder haben umgerechnet auf die Bevölkerungszahl die größten Wasservorräte Europas. Als erstes Land der Welt hat Finnland eine Wassergesamtrechnung aufgestellt, unterteilt in etwa 200 Branchen. Die detaillierte Kenntnis der landesweiten Wassernutzung hilft bei der Verbrauchskontrolle und der Definierung sektorspezifischer Sparziele.

Auch über den Zustand der Ostsee gibt es Positives zu berichten. Die regelmäßig im Abstand von wenigen Jahren durchgeführten Untersuchungen der Raubfischbestände haben gezeigt, dass sich beispielsweise die Dioxinrückstände im Lachs in den letzten 20 Jahren halbiert haben und nicht mehr weit über dem EU-Grenzwert liegen.

Erfolge basieren auf langjähriger Arbeit

Die geografische Lage Finnlands und das nordische Klima erhöhen ohne Zweifel die landwirtschaftlichen Produktionskosten, andererseits leisten jedoch gerade diese beiden Faktoren einen erheblichen Beitrag zum Schutz vor in Mitteleuropa verbreiteten Pflanzen- und Tierkrankheiten. Dies bedeutet einen geringeren Bedarf an Pflanzenschutzmitteln und Tiermedikamenten: Finnland zählt seit jeher zu den Ländern mit den geringsten Pestizidrückständen in Lebensmitteln. Bezüglich der Menge der an Nutztiere verabreichten Antibiotika liegt Finnland EU-weit auf dem vorletzten – sprich zweitbesten – Platz, und das Vorkommen kritischer Bakterien wie etwa Salmonellen ist außergewöhnlich gering.

Noch wichtiger als geografische und klimatische Faktoren sind jedoch langfristige gezielte Anstrengungen die funktionierende Selbstkontrolle innerhalb der Branche sowie die gute Zusammenarbeit zwischen Erzeugern, Verarbeitungsbetrieben und Behörden. In Finnland werden weder Pestizide noch Antibiotika vorbeugend eingesetzt und sämtliche Karenzzeiten, Anweisungen und Vorschriften werden sorgfältig eingehalten. Die weitgehende Salmonellenfreiheit ist der Erfolg jahrzehntelanger Forschungsarbeit und aktiver Selbstverpflichtung von Landwirtschaft, Industrie und Verwaltung.

Verantwortung und Nachhaltigkeit prägen auch Fischerei und Fischzucht. Die durch finnische Fischzuchtbetriebe verursachte Phosphor- und Stickstoffbelastung hat sich seit der Einführung von Fischmehl aus Ostseehering als Futtermittel drastisch verringert.

Ganzheitliches Gesundheitsprogramm für die finnische Lebensmittelproduktion

Die Mitwirkenden der finnischen Lebensmittelproduktionskette haben sich den Prinzipien des weltumspannenden interdisziplinären Gesundheitskonzepts One Health verpflichtet. Der Grundgedanke dieses Konzepts ist der enge Zusammenhang zwischen menschlicher, Tier- und Umweltgesundheit. Sein Augenmerk richtet sich insbesondere auf Lebensmittelsicherheit, Zoonosen (d.h. zwischen Mensch und Tier übertragbare Krankheiten) sowie Antibiotikagebrauch und -resistenz.

In Finnland besteht dank des gesunden Nutztierbestandes nur selten Bedarf für die Verabreichung von Antibiotika, was sich sowohl auf den Zustand der Umwelt als auch auf die menschliche Gesundheit positiv auswirkt. Die Menge der bei der Gülledüngung ins Erdreich gelangenden Medikamentenrückstände ist geringer als in anderen Ländern. Zoonosefälle treten in Finnland nur selten auf, und was besonders wichtig ist: das Problem der zunehmenden Antibiotikaresistenz von Bakterienstämmen ist im internationalen Vergleich minimal. Diese geringe Resistenz ist eine Voraussetzung für die Wirksamkeit von Antibiotika in der Humanmedizin. Durch die Verwirklichung des One-Health-Konzepts leistet die finnische Lebensmittelindustrie einen ganzheitlichen Beitrag zur Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt.

Finnlands Stärken als Verkaufsargument

In Finnland produzierte Lebensmittel sind sauber, hochwertig und sicher – aber wie wichtig ist dieses Verkaufsargument im Binnen- und Exportmarkt? Bei finnischen Verbrauchern stehen einheimische Lebensmittel hoch im Kurs, doch diese Loyalität beruht oft in erster Linie auf Gewohnheit oder ungefähren Vorstellungen. Die Untermauerung dieser Wertschätzung durch konkrete Fakten macht die Entscheidung für finnische Erzeugnisse bewusster und begründeter. Auch im Exportmarkt schaffen diese Fakten einen Wettbewerbsvorteil. Auf dem internationalen Markt zählen Sicherheit und Reinheit zu den wichtigsten Produkteigenschaften. Die Erfahrung zeigt, dass auch Länder mit schlechteren Ergebnissen als Finnland ihre Ware mit diesen Argumenten verkauft bekommen – effektives Marketing vorausgesetzt.

Für Ansehen und Exporterfolg der finnischen Lebensmittel sind umfassende Informationen über ihre Reinheit, Sicherheit und schonende Produktion von entscheidender Bedeutung. Eine auf internationale Statistiken und Untersuchungen gestützte Faktenbasis zur Belegung unserer Stärken ist die beste Grundlage für die Etablierung Finnlands als Markenzeichen für Qualität. Sie bildet das Fundament, auf dem jedes Unternehmen seine Stärken entwickelt und seine eigene Geschichte erzählt. Finnlands Pluspunkte sind klar ersichtlich – die Herausforderung liegt darin, sie gezielter und konsequenter zu vermarkten.

 

Oberes Bild: Csaba Jansik

Share This